Die Geschichte von SAMUI

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Samui an der Choeng Mon Baech                     Samui auf einer Wiese irgendwo in der Nähe von Hamburg

 

Hallo, mein Name ist Samui. Ja genau, wie die Insel. Dort wurde ich nämlich geboren. Jetzt lebe ich in Hamburg. Das ist auf der anderen Seite der Welt, in Deutschland, ganz im Norden und grässlich kalt. Und wie ich von Samui nach Hamburg kam, das möchte ich euch jetzt erzählen:

Ich bin ungefähr ein Jahr alt und lebte am Strand von Choengmon. Ich war sehr dünn, aber mein Fell glänzte ebenso schön wie meine schneeweißen Zähne. Kurz: ich war schon da ein wirklich attraktiver Bursche...

Im November 2002 kamen im „White House“ – nebenbei erwähnt, ein ganz tolles Hotel- neue Gäste an. Normalerweise fällt mir das gar nicht mehr auf, aber im November ist an meinem Strand nie besonders viel los gewesen. Zu meinem Glück...

Womöglich hätte ich Lilian und Jens sonst nie bemerkt. Die beiden fielen mir sofort auf, denn ganz offensichtlich mochten sie uns Hunde- zu meinem Entsetzen aber auch die Katzen.

Wir haben uns neben ihre Sonnenliegen gesetzt und uns ausgiebig streicheln lassen.

Doch wirklich gesondert beachtet haben mich die beiden nicht. Also machte ich mich bemerkbar, indem ich unter ihre Liegen in den Schatten robbte. Und ich sag Euch, für einen großen Hund erfordert das geschmeidige Gelenke. Aber die Mühe hat sich gelohnt, denn Jens machte sofort Lilian auf mich aufmerksam: „Guck mal, was das für ein süßer Hund ist.“

„Oh ja, wenn wir mal einen Hund haben sollten, dann müsste er so genau so sein,“ waren sich beide schnell einig.

Ich wollte natürlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen und zeigte mich von meiner besten Seite. Naja, fast.... Als die beiden abends am Strand waren, warf Lilian eine gesammelte Koralle weg, was ich natürlich als Spielaufforderung verstand. Ich holte die Koralle zurück, legte mich den beiden zu Füßen und kaute genüsslich darauf herum.

Lilian hatte Angst um meine Zähne und nahm mir einfach die Koralle weg. Das fand ich gemein, ich wollte doch spielen und habe Lilian nach Hundemanier unmissverständlich dazu aufgefordert. Sie verstand und tobte mit mir am Strand herum. Leider hatte ich damals noch nicht so viel Erfahrung, wie empfindlich Menschenhaut gegenüber Hundefell ist und war wohl etwas zu ungestüm. Ich hatte schon Angst, dass unsere Freundschaft nun vorbei war...

Aber am nächsten Tag sah ihre Hand gar nicht mehr so schlimm aus und irgendwie waren wir uns dadurch noch näher.

Irgendwann kam der Tag, der immer irgendwann kam. Ich merkte es ganz schnell, die beiden waren so anders: Jens fotografierte mich die ganze Zeit und Lilian erdrückte mich mit ihrer ständigen Knuddelei fast. „Sag mal, mitnehmen können wir ihn ja wohl nicht, oder?“ fragte Jens. „Oder?“ entgegnete Lilian freudestrahlend. Mittlerweile weiß ich, dass sie sich nie getraut hätte, genau das Jens zu fragen. Ich witterte eine winzig kleine Chance und machte den beiden den Abschied besonders schwer. Als sie unser Stammrestaurant verließen und sich verabschiedeten, bellte ich sie gehörig aus „Überlegt es Euch gut, so einen tollen Hund findet Ihr nie wieder!“ Beide waren von meiner tiefen Bassstimme angetan und um meinem Bellen noch mehr Bedeutung beizulegen begleitete ich die beiden bis zu ihrem Hotel. Das hatte ich vorher nie getan, aber ich wollte ihnen zeigen, dass ich mitwollte. Sie konnten doch nicht ohne mich gehen! Wir waren doch Freunde!

Am nächsten morgen, ihrem Abreisetag sind die beiden dann doch noch zu Brigitte vom DRCS gefahren, um sich ihren fachmännischen Rat zu holen.

Jens marterte die Frage, ob es nicht Tierquälerei sei, mich von der Freiheit auf der Trauminsel Samui ins zu der Zeit 35° kältere Deutschland zu holen . Und Lilian ängstigte die Vorstellung, mich in einen Käfig zu sperren und mich tagelang durch die Gegend zu fliegen.

Brigitte beruhigte beide und beteuerte, dass Samui für Hunde ganz sicher kein Traum und wenn dann nur ein Albtraum sei. Sie erklärte, wie man einen Hund von Samui nach Deutschland bekäme, welche Formalitäten man in Thailand und in Deutschland zu klären hätte und bot schließlich ihre Hilfe an.

Wieder in Deutschland angekommen, nahmen die beiden noch mal ganz genau ihren Alltag unter die Lupe, um ganz sicher zu gehen, dass auch genügend Zeit und Platz für mich da ist.

Ich wusste von allen dem natürlich nichts und war noch ein wenig traurig.

Eine knappe Woche später kamen dann ein paar Helfer vom DRCS, machten mir ein Halsband um und fuhren mit mir zum Tierarzt. Da bekam ich meine Impfungen, eine Wurmkur und wurde der stolze Besitzer eines Impfpasses. Ich muss gestehen, ich hatte wirklich schreckliche Angst.

Irgendwann fand ich mich in einer Kiste wieder, ich schaute ängstlich durch die Gitter, konnte aber nicht viel erkennen. Ich hörte ein lautes Getöse. Irgendwie war ich ganz komisch müde...

Dann rumpelte es ganz doll und ich wurde mit meiner Kiste hochgehoben. Ein wenig später öffnete eine ganz liebe Frau meinen Käfig und befreite mich.

Das war Frau Tordis. Ich war fünf Tage bei ihr: sie schmuste viel mit mir, verwöhnte mich, stellte mich noch mal einem Tierarzt vor und erzählte mir, dass ich jetzt nach Hamburg käme.

Am fünften Tag musste ich wieder in die Kiste, da war eine kuschelige Decke drin und da ich wieder so seltsam müde war, schlief ich ein.

Wieder dieses dunkle Getöse, außerdem war es ganz schön kalt. Irgendwann rumpelte es wieder, ich wurde befreit, konnte endlich nach 15 Stunden mal mein Beinchen heben, aber da musste ich schon wieder in die Kiste und alles ging von vorne los.

Aber diesmal ging es schneller bis es rumpelte. Mir war alles egal, ich wusste gar nicht was passierte. Hamburg, was ist Hamburg? Was meinte Frau Tordis? Ihre Stimme klang so fröhlich als sie das sagte, mir war aber gar nicht fröhlich zu Mute.

Aber dann, dann hörte ich was ganz Tolles:„Samui, hallo Samui“. Oh, diese Stimme kannte ich, oh wie gut ich diese Stimme kannte. Ich wedelte so doll ich konnte. Mein Schwanz klopfte gegen alle Wände des Kennels, aber das war mir gleich. Lilian streckte ihre Finger durch die Gitterstäbe und ich schleckte sie freudig ab. Sie waren es, juhu! Jens befreite mich aus der Kiste und ich konnte gar nicht aufhören an ihm hochzuspringen. Ich war so glücklich!

Er machte mir eine Leine an und ich bin ganz stolz mit meinem Frauchen und Herrchen aus der Cargohalle des Hamburger Flughafens gelaufen.

Die nächste Säule war meine;  was war der Sand unter meinen Pfoten kalt. Puh, ich hob das Beinchen und habe einen neuen Rekord aufgestellt: 7 Minuten. Ungelogen. Herrchen hat die Zeit gestoppt. Komisch wie sich der Sand verfärbte. Naja mittlerweile weiß ich, dass das Schnee war.

Dann hat Herrchen mich hochgehoben und ins Auto gesetzt. Wie das vertraut roch: eine kuschelige Decke, die halb nach meinem neuen Rudel und halb nach Muscheln und Korallen von Choengmon roch.

Dann waren wir da. Zuerst durfte ich meinen Garten beschnuppern. Ich erleichterte mich noch mal und wollte dann erst mal aus der Kälte. Dann kam ich in mein Haus. Auch hier durfte ich erst mal alles beschnuppern. Ich habe sofort mein Wasser- und Fressnapf gefunden. Hunger hatte ich keinen, aber Durst. So ein Wassernapf ist toll: da ist immer Süßwasser drin. Am Choengmon Beach habe ich immer aus dem Fischbassin des White House geschlabbert. Aber da musste ich erst mal hinkommen.

Dann merkte ich wie erschöpft ich war und habe einen Schlafplatz gesucht. Und siehe da, sofort den Besten gefunden: ein kuscheliges Körbchen, das auch vertraut roch und nur für mich war. Frauchen und Herrchen haben sich auch ganz doll gefreut, als ich mein Körbchen so schnell gefunden habe. Komisch...

Nachdem ich ein paar Stunden in Ruhe geschlafen hatte, musste ich mal.

Ich habe mich dann dahin gesetzt, wo wir ins Haus gekommen sind – die beiden nennen das Tür- und habe gefiept. Überglücklich kam sofort Frauchen an und ist mit mir spazieren gegangen. Das war klasse. Ich begriff sofort: wenn ich mal muss, setze ich mich vor die Tür und jaule kurz und schön kann ich draußen schnuppern gehen. Ich kann gar nicht sagen wer mehr begeistert war: ich oder die beiden. Hatten die etwa gedacht, ich würde mein neues Zuhause beschmutzen?

In den ersten Tagen haben wir viel unternommen. Die beiden meinten, ich solle so schnell wie möglich alles in meiner neuen Welt kennen lernen: Autofahren, Bahn, Bus und Fahrstuhl fahren, Einkaufszentren mit glatten Böden und Rolltreppen und wir waren sogar im Wildpark damit ich sehen konnte was ich im Wald witterte. Zugegeben: Vor Rolltreppen habe ich immer noch Angst, dafür macht mir Autofahren gar nichts mehr aus. Im Gegenteil: ich freue mich wenn ich mit kann.

Nach ungefähr sechs Wochen wurde ich sozusagen eingeschult. Seit dem gehe ich zwei mal die Woche zur Hundeschule. Das ist richtig toll. Ich lerne wirklich viel und schnell und es ist so schön, wenn die beiden mir zeigen wie stolz sie auf mich sind und ich eine extra Streicheleinheit bekomme. Nach dem Unterricht kann ich dann mit den ganzen anderen Hunden rumtoben und spielen.

Je mehr ich lerne, desto mehr Freiheiten habe ich zu Hause und ich kann mittlerweile fast überall mit hin, weil ich den weniger Hundefreunden kaum auffalle, wenn ich artig bin.

Ich kann Euch sagen, mein Hundeleben ist wirklich schön:

jeden morgen geht Herrchen mit mir im Wald joggen, dann frühstücke ich und dann kuschel ich mich erst mal wieder in mein Körbchen und schlafe bis mittags. Mittags kommt Herrchen aus dem Büro, geht mit mir spazieren und nimmt mich mit ins Büro. Manchmal nimmt er mich auch schon morgens mit. Im Büro lege ich mich zum Schlafen in einen alten Tresor. Irgendwann habe ich diese gemütliche Höhle entdeckt und meinem Korb vorgezogen. Da habe ich von 5 Seiten meine Ruhe, kann aber alles beobachten. Abends gehen wir entweder alle drei oder Frauchen und ich.

Am Wochenende machen wir dann immer ganz lange Spaziergänge, meistens alle zusammen. Dann fahren wir mit Frauchens Auto. Das liebe ich: ich kann immer gar nicht schnell genug reinspringen. Das Auto hat nämlich meistens kein Dach und ich kann die ganze Zeit schnuppern. Naja, und wenn es ein Dach hat, kann ich trotzdem schnuppern, weil durch das Dach viel Luft kommt. Ich finde das gut, die beiden glaube ich, nicht so sehr. Außerdem knattert das Auto so schön. Ich höre immer schon von weitem wenn Lilian im Käferchen kommt.

Wenn Lilian und Jens mal wegmüssen, besuche ich meine Omimi, Lilian´s Mami. Da geht es mir auch immer richtig gut. Sie wohnt nämlich direkt an einem riesigen Park, wo wir dann ganz viel spazieren gehen und ich viele andere Hunde treffe.

So, das war jetzt das wichtigste von meiner neuen Heimat. Ich hoffe, Ihr habt mich noch nicht vergessen. Ich denke schon noch manchmal an Euch. Also, ich drück` Euch die Pfoten, dass Ihr auch so liebe neue Besitzer findet und grüße Euch mit meinem tiefsten „Wuaff“!

Euer Samui

FORTSETZUNG DER GESCHICHTE VON SAMUI: DEZEMBER 2005

 

Hallo liebe Samuihunde, liebe Samuifreunde und - ich sag´s ja ungern: Hallo liebe Samuikatzen!

Ja, ich bin es, Euer „Samui“! Ihr erinnert Euch ja wohl hoffentlich an mich! Ich bin`s der mit der tiefen Stimme! Ja, genau! Der vom Choeng mong beach!

Weihnachten, genauer gesagt Heilig Abend, ist es drei Jahre her, dass ich eine warme thailändische Insel gegen das, nunja, „nordische“ Klima Hamburgs eingetauscht habe.

Ich habe Euch ja von  meiner Reise und dem ersten halben Jahr berichtet und nun ist es wohl angemessen, mich mal wieder zu melden.

Ich bin reifer geworden, aus meiner Rüpelzeit raus, habe die Hundeschule (vorerst) hinter mir und Herrchen und Frauchen ganz gut erzogen. ; ) Will sagen, dass sie endlich verstehen, was es bedeutet, wenn ich mit dem leeren Fressnapf schepper oder ins Futter schnaufe und belle [d.h.: igitt, was ist das! Gebt mir gefälligst was Leckereres]. Mein Körbchen darf nun schon nicht mehr nur ausnahmsweise bei Gewitter im Schlafzimmer stehen und ich bestehe, egal bei welchem Wetter, auf eine Stunde Joggen jeden Morgen, vorzugsweise mit Herrchen oder alternativ einem ausgiebigen Spaziergang durch den Wald.

Jungs, mir geht es prima!

Nach dem eben erwähnten Spaziergang begleite ich Herrchen ins Büro. Dort habe ich ein zweites kuscheliges Körbchen und bin wohl so etwas wie ein Büromaskottchen. Das heißt, ich begrüße morgens alle anderen Mitarbeiter und hole mir je nach Gusto Streicheleinheiten ab. Paradiesisch!

Apropos Körbchen: Ihr wisst ja gar nicht, wie toll das ist! Ich könnte da den ganzen Tag zusammen gerollt drin schlafen. Wo mein Körbchen ist, ist mein Zuhause. Im Urlaub, im Hotel, oder wenn ich mal woanders übernachten muss. Also Körbchen mit einem dicken kuscheligen Kissen -das ist die Wucht. Das würde ich niemals wieder hergeben!

Am Wochenende machen wir immer ganz lange Spaziergänge. Hier gibt es übrigens auch einen Strand, wo ich viele andere Hunde treffen kann: den Elbstrand. Da gibt es sogar Süßwasser, wenn ich zu viel getobt habe ...

Oder wir besuchen unsere Familie, in der es noch zwei weitere Hunde gibt: Sophie und Schröder. Mit beiden Damen verstehe ich mich ausgezeichnet. Sophie lässt mich sogar in ihrem Körbchen schlafen und aus ihrem Napf fressen.

Ich habe aber auch viele zweibeinige Familienmitglieder. Besonders die Kinder mag ich. Den kann ich herrlich übers Gesicht lecken, weil sie auf meiner Höhe sind ... hihi... die Erwachsenen finden das nicht so lustig. Und ich kann ihnen Kuscheltiere stibitzen. Ich liebe es, Kuscheltiere zu zerfetzen. Aber meistens bekomme ich dafür eigene.

Ich habe Euch ein paar Fotos mitgeschickt, damit Ihr mal was von deutschen Bräuchen seht:

Auf einem suche ich mit meiner zweibeinigen Cousine und Cousin Ostereier, auf einem habe ich mir Thaistyle eine Mulde im Strand gegraben, das war in den Flitterwochen von Frauchen und Herrchen und auf einem kuschel ich mit dem Weihnachtsmann!

So, das war es dann erst mal wieder von mir! Ich drücke meinen vierbeinigen Freunden die Pfoten, dass Ihr auch ein neues Zuhause findet, in dem Euch so viel Liebe entgegen gebracht wird, wie mir hier!

Bis dann und mit dem bekannten „Wuff“