Die Geschichte von FLETSCHI

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Auch ich war 1995 im Juni auf Koh Samui am Chaweng Beach und habe dort mit meinem damaligen Lebensgefährten meinen Urlaub verbracht. Wir hatten bei uns am Strandabschnitt immer ca. 30 Hunde, teilweise krank, verletzt oder fast schon nicht mehr lebendig. Am liebsten hätte ich mich um alle Hunde gekümmert, habe mich aber direkt in den ersten Tagen in einen Hund verliebt, der nur noch ein Auge und kaum Fell hatte und voller Flöhe war (großer roter Mischlings-Rüde) - und er sich offensichtlich auch in mich. Er wich uns nicht mehr von der Seite, vor allem nicht, nachdem er auf unserer Terrasse regelmäßig mit Hundefutter, Fleisch und frischem Wasser versorgt wurde. Nachts durfte er in unserem Zimmer schlafen (die einzige Zeit, in der er wirklich schlafen konnte, da er sonst immer mit Futterbeschaffung und Kämpfen mit anderen Hunden oder den Angestellten des Hotels beschäftigt war). Er ging mit uns schwimmen, er ging mit uns ins Restaurant, in die Kneipe, überall hin, und das alles ohne Leine oder "bei Fuß Kommando". Aufgrund seines "Fletsch-Auges" nannten wir ihn "Fletschi".Wenn wir mal mit dem Jeep oder Motorrad unterwegs waren und er nicht mit konnte, wartete er den ganzen Tag auf unserer Terasse und rührte kein Fressen an, bis wir wieder da waren. Mit der Zeit wurde durch das Salzwasser sein Fell schöner, die Flöhe gingen weg und durch eine Salbe kam sogar das zweite Auge wieder zum Vorschein. Irgendwann kam dann unser letzter Urlaubstag und mir war schlecht vor Traurigkeit. Ich liebe Tiere über alles, hatte aber selbst nie einen Hund gehabt und wusste daher nicht, wie es wohl wäre, wenn wir ihn mitnehmen würden bzw. ob wir dem Hund damit überhaupt einen Gefallen täten. Wir haben dann zunächst einem befreundeten Pärchen Geld gegeben und gebeten,  Fletschi zu versorgen (füttern, aufpassen, dass ihm nicht passiert usw., es wurden viele Hunde einfach vergiftet oder erschlagen). An diesem letzten Tag hat Fletschi sogar eine Wurst liegen lassen, die ihm ein anderer Tourist gab, nur um hinter uns her zu laufen; er hat wohl gemerkt, dass wir ihn verlassen müssen. Hinter dem Bus, mit dem wir abgeholt wurden, lief er noch eine ganze Weile her, und ich habe ihn im Rückspiegel beobachtet, bis er irgendwann nur noch ein kleiner Punkt war. Ich habe fast während des ganzen Flugs nach Deutschland geheult. Zuhause angekommen, habe ich zwei Wochen lang jeden Tag in Thailand angerufen, wie es Fletschi geht. Er trauerte etwas, aber es ging ihm relativ gut.
Während dieser Zeit habe ich mich hier bei sämtlichen Hundezüchtern, Tierheimen, Zollbehörden, Ärzten und in Büchern erkundigt, was ich tun muss, um einen Hund aus Thailand nach Deutschland zu holen. Ich hatte nur noch einen Gedanken: Ich lasse "meinen" Fletschi da am Strand nicht alleine. (Außerdem hatte ich ihm beim Abschied versprochen, dass wir uns wieder sehen  ;-)Mein Umfeld hat mich damals überhaupt nicht verstanden, einen kranken, sehr wahrscheinlich alten und nicht erzogenen Hund ins Haus holen, das wäre doch wahnsinnig. Er könne doch aggressiv sein oder bald sterben, dann hätte sich das Ganze doch gar nicht gelohnt…Ich ließ mich davon nicht abhalten, habe auf meinen Bauch gehört und meinen damaligen Lebensgefährten davon überzeugt, wieder nach Koh Samui zu fliegen und Fletschi zu holen (ich hatte leider keinen Urlaub mehr), was er auch gerne tat, denn auch er war diesem Hundeblick schon verfallen…Nachdem wir Beruhigungstropfen, Leine, Halsband und die komplette Hunde-Startausrüstung für Fletschis neues Zuhause besorgt hatten, flog er drei Wochen nach unserem Urlaub dann erst nach Bangkok, besorgte dort eine Transportkiste, flog danach nach Koh Samui, ließ Fletschi impfen (es muss also damals auch schon einen Tierarzt auf der Insel gegeben haben), der Hund bekam einen Pass und beide kamen nach 5 Tagen und einem sehr langen Flug am 07.07.1995 hier an. Der 07.07.06 ist seitdem Fletschis „Geburtstag“ und wird auch dementsprechend jedes Jahr gefeiert. Da der Arzt bei der Ankunft des Hundes ein Alter von ziemlich genau 1 Jahr festgestellt hat, ist Fletschi demnach heute stolze 12 Jahre alt. Er ist zwar immer noch sehr stur und hat seinen eigenen Kopf, aber das macht ihn auch irgendwie wieder liebenswert. Er hat sich von Anfang an hier wohl gefühlt (wir haben einen großen Garten) und die Menschen, die am Anfang skeptisch waren, würden heute alles für ihn tun (und tun es auch!). Fletschi hat es mit seinem eindringlichen Hundeblick wirklich geschafft, uns alle davon zu überzeugen, dass er zu uns gehört. Er ist mittlerweile der Liebling der Familie und bringt jeden Tag Freude in unser Leben. Sollte ich irgendwann noch mal nach Koh Samui kommen, werde ich auf jeden Fall mal bei Euch rein sehen und helfen, wo ich kann. Ich wünsche Euch mit Eurem Dog Rescue Center noch viel Erfolg, Spaß mit den Tieren und würde mir wünschen, dass noch viele sich dazu entschließen, einen Hund mit nach Hause zu nehmen. Ich bin heute froh, dass wir das gemacht haben, ich hätte mich sonst wahrscheinlich ein Leben lang gefragt, was aus „meinem“ Fletschi geworden wäre…

 

Ganz liebe Grüße aus Aachen
 

Diana (und Fletschi)